Lenkwaffenzerstörer MÖLDERS

guided missile destroyer MÖLDERS

Steuerbord-Seitenansicht / starboard view

Spantenriß / body plan

Detailfotos / detailed photos

Planausschnitt / plan section

Den Plansatz erhalten Sie im M 1:100 oder im M 1:75 (es ist jeweils der gleiche Plan, nur in anderer Größe ausgedruckt!). Mit den Zeichnungen und Texten erhalten Sie eine CD-ROM mit 314 hochaufgelösten Detailfotos (oben sehen Sie neun davon). Im M 1:100 darf das Modell maximal 4,89 kg wiegen; im M 1:75 bereits 11,58 kg. Es wird in 1:100 1343 mm lang und 144 mm breit. Im Maßstab 1:75 sind die Modellabmessungen dann schon 1791 mm x 192 mm. Für ein 1:100-Modell benötigen Sie zwei vierflunkige Propeller von 41 (also 40!) mm Durchmesser und beim 1:75-Modell sind die Propeller 55 mm groß. Mit den Plansätzen kommen vier sog. Schiffsdetail-Zeichnungen (Torpedorohr-Drilling, ASROC-Startgerät, RAM-Startgerät und die 127-mm-Kanone).

Aus der Werkstatt von Thomas Steinhagen ( www.steinhagen-modelltechnik.de ) können Sie einen GfK-Rumpf im M 1:50 beziehen. Das Modell wird hier allerdings recht groß: knapp 2,69 m lang, 288 mm breit und soll in dem Maßstab etwa 39 kg wiegen.

Best.-Nr. pl058 (M 1:100) € 55,00

oder pl059 (M 1:75) € 60,00

Auf der Webseite: www.dishmodels.ru/wshow.htm?p=2682 finden Sie weitere 749 hochaufgelöste Fotos von MÖLDERS.

The plan-set will receive it either in scale of 1:100 or 1:75. With the plan-set you will receive a photo-CD-ROM with 314 excellent color-photos (mostly detail-photos!). The model weighs of a scale 1:100 is maximal 4,89 kg; in scale of 1:75 - 11,58 kg. The model is long in the scale 1:100 1343 mm and 144 mm wide. Scale of 1:75: 1791 mm x 192 mm. For a 1:100-model, they need two propeller (four flukes) diameter 41 mm, and for 1:75 55 mm diameter. You will receive with the plan-set four detail-drawings: Triple Mk32 torpedo tubes, ASROC-launcher, RAM-launcher and 127-mm-gun Mk42 mod 10.

In company Thomas Steinhagen ( www.steinhagen-modelltechnik.de ) they can buy a fiberglass hull in scale 1:50. The model is 2690 mm long, 288 mm wide und weighs 39 kg.

Lenkwaffenzerstörer MÖLDERS

Auf den Tag genau 35 Jahre nach der Indienststellung in Boston/USA und etwa 16 Monate nach der Außerdienststellung des BM-Lenkwaffenzerstörers MÖLDERS wurde am 20.10.2004 im Wilhelmshaven ein Vertrag zwischen dem privat geführten Marinemuseum Wilhelmshaven und der Wehrtechnischen Studiensammlung Koblenz zur musealen Präsentation dieses Kampfschiffs unterzeichnet. Damit war, im Gegensatz zum Schnellboot KRANICH, eine solide Grundlage für die Werterhaltung und eine Dauerausstellung gegeben. Eine Stiftung und ein Förderverein kümmern sich künftig um das Schiff, welches das drittgrößte Museums-Kampfschiff in Westeuropa ist. Leider zeigt das Großexponat nicht vollständig den Rüstzustand, wie der Zerstörer außer Dienst gegangen ist. Wichtige Waffen und Geräte wurden entfernt, um sie bei der aktiven Marine weiter zu verwenden (beide RAM-Starter, das Speedboot und der Kutter, die je zwei 20-mm-Kanonen, Düppel-Werfer und U-Jagd-Torpedorohr-Drillinge, die fünf Antennen des Systems FL 1800 und die vier des EloGm). Es wäre wünschenswert, sie bald wenigstens durch Attrappen zu ersetzen.

Mit der Indienststellung der drei Zerstörer der LÜTJENS-Klasse (LÜTJENS, ROMMEL und MÖLDERS) im Zeitraum von März 1969 bis Mai 1970 vollzog die damalige Bundesmarine den Schritt in die Moderne. Sie hatten erstmals eine Flugkörper-Bewaffnung und waren die ersten sog. Systemeinheiten, bei denen alle für die Führung und den Waffeneinsatz erforderlichen Sensoren (z.B. Radargeräte u.a.) und Effektoren (Waffen) über einem Zentralrechner verbunden sind. Dagegen empfand nicht nur ich die Namensgebung für die drei Schiffe als schlimme Entgleisung. Man muß es sich auf der Zunge zergehen lassen: Die Marine eines Staates, der zukünftig in der Völkergemeinschaft als demokratisch angesehen werden will, benennt ausgerechnet ihre drei kampfstärksten Einheiten nach hohen Offizieren der Hitler-Wehrmacht! Das hat nichts mit „Traditionspflege“ zu tun, sondern war ein Beleg für das damalige völlig unreife Demokratieverständnis.

Ursprünglich wollte man sechs (nach „Jane´s Fighting Ships 1965-66“ sogar acht) ADAMS-Rümpfe auf deutschen Werften bauen und mit amerikanischen Waffen und Gerät ausrüsten, damit man zusammen mit den vier noch laufenden Einheiten der HAMBURG-Klasse auf die geplante Zahl von 12 modernen Zerstörern kam. Aus Kostengründen und weil die deutschen Werften noch nicht in der Lage waren, so komplizierte Schiffe zu bauen, wurden vorerst nur drei Schiffe bestellt. Die Anschaffung der drei Lenkwaffenzerstörer war wegen der zunehmenden Zahl von kleinen Raketenbooten des Ostblocks im Ostseeraum notwendig geworden. Die an Bord installierten Waffen und Geräte befähigten sie zu folgenden Einzelaufgaben

-       See- und Luftraumüberwachung,

-       Abwehr feindlicher Überwasser-, Luft- und Landungsstreitkräfte,

-       Nachschubsicherung gegen Flugzeuge, U-Boote und Überwasser-Kampfschiffe,

-       Schutz leichter Seestreitkräfte gegen Luftangriffe,

-       U-Jagd,

-       Landzielbeschuß,

-       Einsatz als Führerschiff,

-       Lageübermittlung und

-       Zusammenarbeit mit See-Luftstreitkräften.

Die drei Schiffe blieben die einzigen, die auf einer US-amerikanischen Werft für einen Stückpreis von 43,7 Mio. Dollar für die deutsche Marine bei Bath Iron Works Corporation, US-Staat Maine gebaut wurden. Es waren unter Vorgabe durch die Bundesmarine verbesserte Bauten der US-CHARLES F. ADAMS-Klasse („TARTAR Guided Missile Destroyer SCB 155“). Von dieser bewährten Klasse hatte die US-Navy selbst zwischen 9/1960 und 8/1964 23 Einheiten in Dienst gestellt. Auch in der australischen Marine liefen mit PERTH, HOBART und BRISBANE drei nach australischem Konzept verbesserte ADAMS-Zerstörer. Und die griechische Marine übernahm nach 1990 vier derartige Schiffe von den USA. Zusätzlich bekamen die beiden Marinen je einen ex-US-Zerstörer zur Ersatzteilgewinnung!

Die drei Schiffe erhielten nach der Fertigstellung die US-Navy-Nummern DDG 28 bis DDG 30, wurden jeweils in Boston für die Bundesmarine in Dienst gestellt und nach der Einschulung der deutschen Besatzung und Überführung in Kiel dem 1. Zerstörer-Geschwader zugeteilt. Wegen ihrer Sonderstellung hinsichtlich der Instandhaltung wurden sie sehr schnell marineintern als „Heilige Kühe“ bezeichnet.

Die LÜTJENS-Klasse war von Anbeginn an ausgewogen und stark bewaffnet. Bei der Indienststellung waren folgende Waffen an Bord: ein „einarmiger“ (Einzelstarter) Starter Mk13 für TARTAR-Luftabwehr-Raketen RIM 24 B (Vorrat im Silo: 40 Raketen), zwei 127-mm-L/54-DP-Geschütze Mk42 mod 7 (Turmgewicht max. 63 t, max. 28 Schuß/min, bis 23,7 km Schußweite, 14,8 km Schußhöhe, V0 = 807 m/sek), ein Achtfach-Startgerät für ASROC, zwei dreirohrige 324-mm-U-Jagd-Torpedorohrsätze Mk32 mod 7. Und am Heck gab es ursprünglich eine Abrollbahn für Wasserbomben. Auf dem Achterdeck steht, etwas nach Steuerbord versetzt, eine kleine Winde (zwei Seiltrommeln) für das System SLQ-25 (NIXIE). Die beiden geschleppten (Länge des Schleppkabels bis 488 m) Geräuschbojen können bis zu 30 kn geschleppt werden und erzeugen starke Schallwellen, welche für Torpedos mit akustischem Zielsuchkopf ein Falschziel darstellen sollen. Die TARTAR-Raketen wurden von den beiden Feuerleit-Radar-Geräten (Beleuchter) SPG-51 ins Ziel gelenkt. Sie stehen hinter dem achteren Mack überhöht. Die weiterhin wichtigsten Radar-Antennen waren das große 2D-Luftraum-Radar SPS-40 auf der vorderen Mastsaling, das 3D-Luftraum-Radar SPS-52 zur Luftzielsuche (440 km Reichweite, Flugzeugortung bis 100 km) auf dem achteren Mack und die etwas kleinere 2D-Seeraum-Radar-Drehantenne SPS-10, die später durch SPS-67 ersetzt wurde. Auf der Brücke stand das Ari-Feuerleit-Radar Mk-68.

Die fast vollständig geschweißten (Scher- und Kimmgänge genietet!) 17-Abteilungsrümpfe (16 wasserdichte Schotten) mit Glattdeck und großem Deckssprung im Vorschiff waren über 218 Spanten gebaut (Abstand der Bauspanten: 610 mm), 134,25 m lang, über alles 14,39 m breit und hatten einen Maximaltiefgang (mit Sonardom) von 6,10 m. Der Sonardom unterragt den Kiel am Vorsteven als birnenförmiger Anbau. Darin war die Sonaranlage SQS-23 eingebaut. Die Aufbauten sind aus Leichtmetall gebaut. Die Standard-/Einsatzverdrängung für die Variante nach dem ersten Umbau (Klasse 103A) ist in der technischen Dokumentation mit 3.692/4.885 t angegeben. Vier Hochdruck-Heißdampf-Wasserrohrkessel (500°/90 atü) liefern 60 t Dampf pro Stunde für die beiden Heißdampf-Getriebe-Turbinen mit einer Leistung von je 35.000 PS. Zwei Wellenleitungen mit je zwei außenliegenden Wellenböcken übertragen die Kraft auf zwei vierflunkige Festpropeller von 4,10 m Durchmesser (295 U/min). Die Marschgeschwindigkeit betrug 20 kn; die maximale ist mit 36 kn angegeben. Bei 20-kn-Fahrt können 4.500 sm durchlaufen werden.

In den 70er Jahren wurden bei einer ersten Modernisierung verbesserte Rohrwaffen eingebaut, die TARTAR-Feuerleiteinrichtung mit Digitalrechnern ausgestattet. Es kamen fortan verbesserte Flugkörper (SM1 bzw. SM1A) zum Einsatz und die Kesselanlage wurde auf die Verbrennung leichten Heizöls (Diesel) umgerüstet. Das jeweils nach sechs Stunden fällige Rußblasen konnte nun entfallen. Die Schiffe hatten jetzt die Bezeichnung 103A.

Später, 1984/85, gab es weitere Umbauten an den drei Schiffen zur Klasse 103B: Vor dem Dreibein-Mast wurde auf der Brücke ein weiteres Deckhaus aufgebaut und der Mast erhielt andere Plattformen. Auf der untersten stand nun das kugelförmige Radom mit dem Feuerleitradar SPQ-9. Etwas tiefer das neue Feuerleitradar SPG-60 zur Lenkung der Artillerie (auch zur Lenkung eines dritten Flugkörper bei Mehrfachbedrohung geeignet). Das Radargerät SPS-67 kam am Mast drei Plattformen höher ganz nach oben. Zwei andere Anlagen für die In-See-Versorgung (Pfosten) wurden vor dem achteren Geschützturm und hinter dem ASROC-Startgerät aufgestellt; an der Steuerbordseite wurde nun ein RHIB-Speed-Boot für die sog. Boardingteams gefahren.

Anfang der 90er Jahre gab es weitere Modernisierungen: Im kreisrunden Nachlademagazin unter dem TARTAR-Starter Mk 126 mod 1 steckten nun auch acht HARPOON-Seeziel-Raketen. Zwei RAM-Starter (Rolling Airframe Missile, die Raketen drehen sich beim Flug um die eigene Achse) für je 21 71 kg schwere, 2,78 m lange Nahbereichs-Luftabwehr Raketen RIM-116 mit einer Reichweite bis zu 9,6 km wurden installiert. Für die Aufstellung des vorderen RAM-Starters mußte das unterste Deckhaus nach vorn verlängert werden. Zwei sechsrohrige Düppelwerfer (Täuschmittelwerfer) SRBOC wurden mit Schußrichtung 30° nach voraus neben dem achteren Mack installiert. Die Düppelwerfer verschießen kleine Raketen, die im Luftraum neben dem Schiff eine Wolke von Folienstreifen verstreuen und einer anfliegenden Rakete ein Scheinziel bieten. Die Werfer-Raketen können auch brennenden Phosphor neben das Schiff bringen, um Raketen, die auf Hitzestrahlen „scharf“ sind, abzulenken. Daneben gab es wiederum äußerlich nicht sichtbare Veränderungen bei den Systemen und der Elektronik. Und als Lehre aus dem erfolgreichen Sprengboot-Selbstmord-Angriff auf den modernen US-Zerstörer COLE am 8.8.2000 im Hafen von Aden (Jemen), bei dem 17 Marinesoldaten und die beiden Terroristen ums Leben kamen, erhielt auch MÖLDERS auf neuen Plattformen je Bordseite eine 20-mm-Schnellfeuer-Kanone RH202 von Rheinmetall (1.000 Schuß/min). Die Besatzung betrug zuletzt 327 Mann, davon 23 Offiziere.

Beim SIMONFREY-Verlag ist von Dr. Zvonimir Freivogel ein Typenbuch über die Klasse 103 erschienen.

Jürgen Eichardt

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