Minenjagdboot WEILHEIM

Mine hunter WEILHEIM

Stb.-Seitenansicht des Überwasserteils / starboard-view

Spantenriß / bodyplan

Originalfoto / original photo

Planausschnitt / part of the plan set

Der Plansatz (Best.-Nr. pl065) vom Minenjagdboot WEILHEIM im M 1:50 zum Preis von € 65,00 besteht insgesamt aus folgenden Teilen: Foto-CD mit 388 Detailfotos, Stb.-Ansicht, Bb.-Ansicht, Draufsicht, Heckansicht, acht Hauptspantschnitte, div. andere Schnitte, Linienriß, Spantenriß im Modellmaßstab, zusätzlicher Spantenriß im M 1:40, Schiffsdetail-Zeichnung von der 40-mm-BOFORS im M 1:50 und im gleichen Maßstab die Zeichnung von der Ari-Richtsäule OGR-7 (Ich habe für die Zukunft die Absicht, weitere Schiffsdetail-Zeichnungen von der WEILHEIM zu erarbeiten, z.B. Räumklüse am Heck, Drohnenkran, die Drohne PAP-104 und die Räumwinde). Die Modelllänge im M 1:50 beträgt 942 mm und das Modell sollte, fertig ausgerüstet, 3,90 kg betragen. Im Maßstab 1:40 ist das Modell schon 1,18 m lang und soll dann 7,63 kg wiegen, damit es exakt auf der KWL liegt. Die WEILHEIM hatte zwei Verstellpropeller und zwei Becker-Ruder.

Minenjagdboot WEILHEIM (Klasse 331)

Minenjagd

Ende der 1960er Jahre wurde bei den Marinen der Welt zur Bekämpfung von Seeminen nach und nach die sog. Minenjagd eingeführt. Dabei werden die Minen (Ankertau- oder Grundminen) nicht mehr mit von Minensuchern nachgeschlepptem mechanischen Räumgerät oder per Simulationsräumen (Beispiel: Hohlstabgeräte) unschädlich gemacht, sondern von hochauflösenden Sonargeräten gefunden und anschließend von ferngelenkten Minenjagddrohnen oder auch von speziell ausgebildeten Minentauchern gesprengt. Die Vorläufer für die Minenjagd sind in den 1950er Jahren zu finden. Der wohl erste Minenjäger ist im WEYER 1966/67 als USS BITTERN von der US-Navy verzeichnet. Hier hatte man einen ex-Küstenminensucher der BLUEBIRD-Klasse als einen solchen umgebaut. Anfangs wurden überwiegend herkömmliche Minensucher für die neue Aufgabe umgebaut. Oft blieb dabei die Fähigkeit, Schlepp-Räumgeräte zum Einsatz zu bringen, erhalten, sodass die Boote in einer Doppelfunktion als Minensucher und Minenjäger verwendet werden konnten. Das Flottenhandbuch WEYER 1971/72 nennt bei den großen Marinen der Welt schon zahlreiche in Dienst befindliche Minenjäger: bei der deutschen Bundesmarine die umgebauten Boote der ex-LINDAU-Klasse, die französischen CIRCE-Klasse-Boote mit zusätzlichen acht Minentauchern, bei der Royal-Navy HMS WILTON (ein Boot der TON-Klasse, erster großer Kampfschiffrumpf in GfK-Bauweise), acht Boote der japanischen TAKAMI-Klasse und z.B. vier Boote der niederländischen DOKKUM-Klasse. Bei der belgischen Marine wurden in den Jahren 1972 bis 1976 fünf von der US-Navy übernommene Hochsee-Minensucher (MSO der US-AGILE-Klasse) durch Zurüsten von Sonar SQQ-14 und je zwei Drohnen PAP-104 (französische Entwicklung) zu Minenjägern gemacht. Ähnliches geschah bei den Marinen in Australien, Japan, bei der englischen Royal-Navy und bei der Sowjetunion wurden mit drei Booten der SASHA-Klasse erste Versuche in der Hinsicht gemacht. Später entstanden aber allseits auch ganz spezielle Minenjagdboote. Eine Gemeinschaftsentwicklung zwischen Frankreich, Belgien und der Niederlande schuf die TRIPARTITE-Klasse (insgesamt 26 Boote), in Italien entstanden die LERICI- und GAETA-Klassen (zwölf Boote), in Anlehnung an die LERICI-Klasse wurden bei der US-Navy die zwölf Boote der OSPREY-Klasse mit Voith-Schneider-Antrieb gebaut, in Schweden zwischen 1981 und 1984 die LANDSORT-Klasse (sechs Boote) und in Australien sechs Minenjagd-Katamarane der RUSHCUTTER-Klasse, um nur einige zu nennen. Im Ostblock entstand erst 1975 mit einem Boot der NATYA II-Klasse (34 Boote, Alu-Rumpf) ein erster Minenjäger.

Lindau-Klasse (Klasse 320)

Für die deutsche Bundesmarine wurden von 1958 bis 1960 bei Burmester in Bremen-Burg achtzehn Küstenminensuchboote der LINDAU-Klasse (Klasse 320, Typ 55) in Dienst gestellt und damit das 4., 6. und 8. Minensuchgeschwader gebildet. Die Holzbauten, auf 118 Querspanten (Spantenabstand 380 mm) und zwei Längsspanten gebaut, waren etwas umkonstruierte Nachbauten der US-amerikanischen BLUEBIRD-Klasse. Die Beplankung bestand aus je einer Innen- sowie Außenschicht aus Mahagoni parallel zum Kiel und einer Zwischenschicht diagonal aus Teak. Von etwas über der KWL bis zum Kiel war außen eine weitere 4. Lage aus Eiche angebracht. Die Boote wurden ganz und gar verleimt. Der Rumpf hatte neun wasserdichte Abteilungen. Für die Einbauten wurde überwiegend amagnetisches Material verwendet. Ursprünglich hatten die Boote eine viel zu hohe Brücke (nur die ersten sechs Boote wurden so gebaut, später zurückgebaut) und waren bei senkrechtem Spiegel nur 45,00 m über alles lang. Nach mehreren Heckumbauten (Schrägstellungen des Spiegels) waren die Rümpfe bis 47,10 m lang und über die Scheuerleisten 8,40 m breit. Die Tiefgangsangabe von 3,60 m bezieht sich ganz offenbar auf den Sonardom (Höhe Konstruktionsspant 16). Auch die Verdrängungen wechselten bei mehreren Umrüstungen auf bis maximal 488 ts. Weitere Umbauvarianten der LINDAU-Klasse waren die Minenjagdboote der Klasse 331 (dabei zwei Unterklassen), deren Einheit WEILHEIM wir hier vorstellen und welche heute noch im Marinemuseum Wilhelmshaven als Museumsboot besichtigt werden kann, und die Hohlstab-Lenkboote der Klasse 351. 1991 bis 2000 wurden alle Boote außer Dienst gestellt.

Angetrieben wurden die Boote von zwei wassergekühlten 16-Zylinder-Viertakt-V-Motoren Maybach Typ MD 871 (1.600 U/min, Abgasturbolader) von je 2.160 PS, welche auf zwei dreiflunkige Escher-Wyss-Verstellpropeller von je 1,82 m Durchmesser wirkten. Die Propeller hatten eine maximale Drehzahl von 480 U/min. An Bord waren 42 m³ Treibstoff. Damit konnten bei 14 kn Fahrt 900 sm durchlaufen werden oder bei 12 kn 1.100 sm. Später wurde der Bunkerinhalt auf 28 m³ reduziert. Die Höchstgeschwindigkeit betrug bei der Klasse 351 z.B. 17,2 kn. Drei 3-Zylinder-Viertakt-Dieselgeneratoren Typ 518Dn/5 vom MWM GmbH Mannheim mit je 96 PS (1.800 U/min.) lieferten den Bordstrom. Weiterhin waren zwei Dieselgeneratoren (Räumgeneratoren) Typ MD 441 von je 900 PS (1.500 U/min.) an Bord. Zwei Feuerlösch-Kreiselpumpen Typ VB80/65/65/9 (Leistung: 50 m³/h) wurden auch als Sprühpumpen für die ABC-Abwehr verwendet. Ferner gab es eine Kolben-Lenzpumpe Typ ZKV 80/80 (Leistung: 20 m³/h) und zwei Kreisel-Leckpumpen Typ 12 ST 200 I mit der enormen Leistung von 300 m³/h.

Bewaffnet waren die Boote stets mit einer 40-mm-L/70-BOFORS Typ 58 in Einzellafette, in jüngster Zeit allerdings mit einer Plaste-Wanne als Splitterschutz (Typ 59). Die Besonderheit der Waffenwanne bei WEILHEIM ist, daß sie rundum nicht geschlossen ist. Die Lenkung dieser Rohrwaffe erfolgte anfangs mit einer einfachen Richtsäule; später mit der Ari-Richtsäule OGR-7. Die Minenräumausrüstung bei der Klasse 320 bestand ursprünglich aus:

-       eine Räumwinde mit 3 Seilen,

-       eine große Kabeltrommel davor (elektrisches Schleifenkabel),

-       mechanisches Scherdrachengerät SDG-21 mit allen Schwimmern, Ottern, Scher- und Tiefendrachen, mechanische und Sprenggreifer usw.,

-       drei Geräuschbojen,

-       mehrere Drehkräne (Davits).

Die Klasse 320 hatte je zwei Buganker in Seitenklüsen und wurde von 46 Mann Besatzung gefahren. Die Baukosten je Boot betrugen damals etwa 10 Mio. DM.

Die Klasse 331

Es würde zu weit führen, alle Umbauten, welche bei der Klasse vorgenommen wurden, hier detailliert aufzuführen. Für den Umbau zu Minenjägern der Klasse 331 wurden die Boote in der Regel außer Dienst gestellt. Dabei wurde das Backdeck bis knapp vor die Räumwinde verlängert und die Kabeltrommel an dieser Stelle entfernt. An Achterkante dieses Decks lagerte nun das Schlauchboot für den Minentaucher-Einsatz. Das Schanzkleid wurde bis zum Heck verlängert. Der Rumpf hat durch den Anbau am Heck nun zehn Abteilungen. Hinter der Räumwinde ist auf einer Bank der hydraulische Drohnenkran installiert. Mit ihm werden die Minenjagddrohnen PAP-104, welche in Stellagen frei auf dem Achterdeck lagern, und das Schlauchboot ausgesetzt. Für die Drohnen sind max. 30 Minenvernichtungsladungen (MVL) mit 100 kg Hexanit-Sprengstoff an Bord. Die beiden Räumgeneratoren Typ 441 wurden ausgebaut und dafür zwei weitere 96-PS-Diesel-Generatoren eingebaut. Außerdem wurden bei dieser Klasse die ursprünglichen Spatenruder gegen zwei Becker-Ruder gewechselt und je Boot zwei sechsrohrige Düppel-Ausstoßanlagen (Ablenkung von zielsuchenden Raketen) neben dem Kamin installiert. Die Besatzung der Klasse 331 reduzierte sich auf 43 Mann. Die Bb.-Anker wurden entfernt.

Die Minenbekämpfung mit den Drohnen (auch Video-PAP´s genannt) ist gegenüber den früheren Methoden sehr zeitaufwendig aber effektiver. Sie erfolgt in drei Schritten: Zuerst wird der Unterwasser-Seeraum vor dem Minenjäger mit dem Sonar Plessey 193-M Mk20 G nach vermuteten Minen geortet. Diese werden mit den drahtgelenkten Drohnen als solche näher identifiziert (TV-Kameras an Bord der Drohne) und im dritten Schritt vernichtet. Dazu hängen die Minendrohnen an das Ankerseil eine MVL an oder legen diese auf den Boden neben die Grundmine. Jede Drohne kann eine MVL tragen. Nach dem Ablegen entfernen sich die Drohne und das Boot aus Sicherheitsgründen über 100 m von der Mine. Danach wird die MVL ferngezündet und damit die Mine vernichtet. Die Drohnen können bis 100 m tief tauchen. Nach Fotos steht fest, daß es verschiedene Typen der aus Alu gebauten PAP-104 gab; auch mit verschiedenen Längen. Auch speziell ausgebildete Minentaucher können die Minen entweder entschärfen oder Sprengladungen an ihnen anbringen.

Die Klasse 331 hatte zwölf Boote:

Name

Kennung

vor Umbau

nach Umbau

Verbleib

LINDAU

M1072

24.4.1958 – 28.4.1975

10.2.1978 – 19.10.2000

Estland

GÖTTINGEN

M1070

31.5.1958 – 14.6.1976

19.1.1979 – 11.9.1997

Lettland

KOBLENZ

M1071

8.7.1958 – 12.12.1975

21.6.1978 – 22.6.1999

Litauen

WETZLAR

M1075

20.8.1958 – 30.4.1976

6.10.1978 – 30.6.1995

Abbruch bei VEBEG

TÜBINGEN

M1074

25.9.1958 – 30.5.1975

20.3.1978 – 26.6.1997

Privatjacht

WEILHEIM

M1077

28.1.1959 – 30.7.1976

1.12.1978 – 15.6.1995

Dt. Marinemuseum  W´hn

CUXHAVEN

M1078

11.3.1959 – 29.10.1976

6.6.1979 – 8.2.2000

Estland

MARBURG

M1080

11.6.1959 – 22.12.1976

28.6.1979 – 25.5.2000

Litauen

FLENSBURG

M1084

3.12.1959 – 25.3.1970

12.9.1972 – 26.6.1991

Jugendheim in Duisburg-Ruhrort

MINDEN

M1085

22.1.1960 – 29.8.1975

31.5.1978 – 4.12.1997

Georgien

FULDA

M1086

5.3.1960 - bei Umbau nicht außer Dienst - 26.3.1992

Abbruch

VÖLKLINGEN

M1087

21.5.1960 – 20.8.1976

15.5.1979 – 24.3.1999

Lettland

Die Boote GÖTTINGEN, KOBLENZ, WETZLAR und MARBURG waren 1990 als Minenjäger beim Golfeinsatz und haben sich dort bestens bewährt. Je zwei Boote der Klasse gingen nach der Außerdienststellung mit den Drohnen nach Estland, Lettland und Litauen. In Estland hießen sie dann WAMBOLA (Kennung: M311) und SULEV (M312) und waren noch bis 26.3.2009 in Dienst. Lettland verwendete nur ein Boot als NEMEJS (M03), die ex GÖTTINGEN diente nur als Ersatzteilspender. Und in Litauen erhielten die übernommenen Boote die neuen Namen KURSIS (M51) und SUDUVIS (M52). Ein Boot diente nach Umbau noch in Deutschland in Georgien als Patrouillenboot bei der Küstenwache mit weißem Anstrich und mit der Kennung P22 als AYETY. Am 13.8.2008 wurde es während des Kaukasus-Konfliktes im Hafen Poti von russischen Soldaten versenkt. TÜBINGEN wurde 1997 an einen italienischen Privateigner für den Umbau zu einer Motorjacht verkauft.

Der Modellplan

Der 1:50-Modellplan entstand nach Hunderten von Fotos vom Museumsboot WEILHEIM in Wilhelmshaven. Dieses Museumsboot zeigt in vielen Details nicht mehr den Zustand, wie es vor der Außerdienststellung tatsächlich aussah. Mit meiner Fotosammlung zur LINDAU-Klasse und anderen Quellen habe ich versucht, diesen Bauzustand in meinen Zeichnungen darzustellen. Der Plansatz ist recht umfangreich. Er enthält: eine Foto-CD, Stb.-Ansicht, Draufsicht, Bb.-Ansicht, Heck-Ansicht, acht Hauptspantschnitte, div. andere Schnitte, Linien- und Spantenriß, eine Detail-Zeichnung von der OGR-7, alles im Modellmaßstab.

Jürgen Eichardt

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