"Kleinfräsmaschine im Eigenbau"

"self-made small milling machine"

An dieser Stelle möchte ich nur einige Fotos aus dem Buch kommentieren, damit man einen Eindruck von der Art und Weise der kleinen Maschine bekommt:

Als Konstruktions-Grundlage für den Bau der Maschine wurde ein käuflicher Kreuzsupport von der luxemburgischen Fa. RC-machines verwendet. Dieser mußte in zahlreichen Details überarbeitet und verbessert werden (wird im Buch beschrieben). Auf dem Spanntisch liegen hier einige selbstgefertigte Spannmittel.

Hier hat die Maschine bereits die Schwalbenschwanz-Säule als Höhensupport, der Fräskopf ist vorgearbeitet, die Frässpindel eingebaut.

Der nach beiden Seiten um 90° schwenkbare Fräskopf ist zweigeteilt: in Fräs- und Bohrkopf. Die Bohrbewegungen werden mit einem Handhebel gegen eingebaute Druckfedern ausgeführt.

Die ersten Frästests sind zur vollen Zufriedenheit verlaufen.

Rechts vor der Maschine liegt die Frässpindel-Einheit, welche noch in den Fräskopf eingeklebt werden muß. Links stehen die aus Silberstahl selbst hergestellten Zugspannzangen für die Frässpindel.

Der für die Mini-Fräsmaschine selbstgebaute Maschinenschraubstock. Er ist 130 mm lang und hat gehärtete und geschliffene Backen. Auch die Kurbel wurde selbst gemacht.

Hier liegen das ebenfalls selbst hergestellte Schneckenrad und die zugehörige Schneckenwelle noch auf dem Rundtisch von 119 mm Durchmesser.

Der fertige Rundtisch (mit seinen drei Wechsel-Teilscheiben) ist auf dem Kreuzsupport aufgebaut.

Die erste Rundtisch-Arbeit war das Bohren der Löcher für den Backenfutter-Adapter. Das Backenfutter liegt rechts im Bild.

Rundlauf-Kontrolle des Backenfutters mit einem Abschnitt Silberstahl.

Auf die Schneckenwelle kann auch eine Grad-Scheibe aufgebaut werden. Der Rundtisch hat eine Untersetzung von 1:90, zwei Klemmknebel, eine 360°-Teilung und einen verstellbaren Nullpunkt-Träger.

Ein kleiner Teilkopf gehört ebenfalls zum Eigenbau-Zubehör der Fräsmaschine. Er hat zwei wechselbare Teilspindeln für verschiedene Aufnahmen, eine Teilscheibe mit zwei Teilkreisen (je in 5°- und 10°-Schritten) und zusätzlich eine 360°-Teilung.

Zum Teilkopf gehört selbstverständlich für längere Werkstücke ein Setzstock, der hier rechts im Bild zu sehen ist.

Hier hat der Teilkopf die Teilspindel für die Spannzangen der Uhrmacher-Drehmaschine. Die zweite Teilspindel hat eine Aufnahme für ER-11-Zangen.

Das umfangreiche Zubehör für die Maschine auf einen Blick. Das Teil mit der Nummer 32 ist eine Schwenkplatte für den Teilkopf. 6 und 7 sind zwei verschieden große Schlagzahnfräser, welche die Maschine selbstverständlich auch bekommen hat.

Die fertige Maschine mit dem am Fräskopf seitlich ausragenden Motor-Antrieb. Die Keilriemen-Übersetzung ist zweistufig. In der Frässpindel ist hier der Adapter für die ER-11-Zangen eingebaut. Insgesamt gibt es vier Möglichkeiten die Bohr- und Fräswerkzeuge in der Frässpindel aufzunehmen. Rechts am "Ständer" ist ein Digital-Meßschieber zur genauen Höheneinstellung in der Z-Achse angebaut.

Kleinfräsmaschine im Eigenbau

Vorwort

Schon kurze Zeit nach Erscheinen meines Büchleins „Kleindrehmaschine im Eigenbau“ erhielt ich von interessierten Lesern die ersten Anfragen: Wann kommt ihr Buch „Kleinfräsmaschine im Eigenbau“? Lange war der Selbstbau einer kleinen Fräsmaschine überhaupt kein Thema für mich, denn ich hatte ja schon meine Eigenbaumaschine. Sie war von mir zu frühen DDR-Zeiten mit allem Zubehör am Reißbrett konstruiert und nach und nach und nebenher auf meiner ehemaligen Arbeitsstätte gebaut worden (Foto 1). Ich hatte seinerzeit für zwei überzählige Obersupporte von großen Produktionsdrehmaschinen keine Verwendung und war auf die Idee gekommen, sie mit einer runden Zwischenplatte kreuzweise übereinander zu schrauben. So hatte ich schon den „Kreuztisch“. Ich mußte für eine vollwertige Fräsmaschine nur noch einen Höhensupport mit Konsole, auf welcher der Kreuztisch steht, bauen und dazu den vergleichsweise einfachen Fräskopf mit Antrieb. Mit dieser Fräsmaschine und mit all ihrem Eigenbau-Zubehör habe ich Jahrzehnte bei meinem Schiffsmodellbau gut, gern und auch genau gearbeitet. Daß die Verfahrwege mit 120 mm in der X-Achse und nur 90 mm in der Y-Achse nicht besonders groß waren, hat mich nie sonderlich gestört, denn die meisten Modellteile waren doch klein bis sehr klein. Wenn einmal etwas länger als 120 mm zu fräsen war, so hatte ich meine Tricks, wie ich auf dem Tisch „nachrücken“ konnte. Außerdem hatte ich aus Grauguss eine Tischverlängerung, die ich auf den normalen Frästisch aufspannen konnte.

Weihnachten 2010 habe ich mir selbst eine Fräsmaschine Typ F1210 (Foto 2) und eine Drehmaschine D4000, beide von WABECO (vgl. meine Testberichte in „Maschinen im Modellbau“, Hefte 4/2011 und 5/2011), geschenkt. Die F1210 hat in der X-Achse einen sehr großen Verfahrweg von 500 mm; ihr Frästisch ist ja schon 700 mm lang. Er ist so schön lang, daß ich zur Reduzierung von Rüstzeiten meistens auf dessen linker Hälfte den Rundtisch und rechts einen Maschinenschraubstock aufgebaut habe. Ein Jahr zuvor machte ich die Bekanntschaft mit meinem Freund Valerie. Valerie hatte sich eben eine neuwertige Uhrmacherdrehmaschine gekauft, hat großes Interesse an der Metallbearbeitung und an allem was damit im Zusammenhang steht, aber in der Wohnung wenig Platz für die Aufstellung großer Maschinen. Im Heft 6/2010 der vth-Zeitschrift „Maschinen im Modellbau“ stellte Herr Jürgen Burch damals seinen Maßstabsnachbau einer Optimum BF20-Tischfräsmaschine vor. Es traf jetzt alles aufeinander: das Interesse meiner Leser an einem neuen Buch, meine neuen Maschinen mit besseren Möglichkeiten und das Vorbild des Burch-Baus und Valerie mit seiner kleinen Wohnung und, nicht zu vergessen, die ständigen Bitten von vth-Mitarbeitern, ich solle doch wieder einmal ein neues, interessantes Buch verfassen… 

Den Entschluß, eine kleine Miniatur-Fräsmaschine mit allem Zubehör selbst zu bauen, faßten Valerie und ich auf der Messe „Faszination Modellbau“ im Frühjahr 2011 am Stand der Luxemburgischen Firma RC-machines, als wir dort einen relativ preisgünstigen (€ 99,00) kleinen Kreuzsupport entdeckten. Um diesen herum als „Grundlage“, wollte ich eine kleine Maschine konstruieren. Die nötige Verbesserung des erwähnten Kreuzsupports und der Bau der Maschine haben für uns beide nur wenige Wochen gedauert. Unerwartet viel Zeit mußten wir für den Bau allen Zubehörs für die Maschine aufwenden. Parallel dazu habe ich dieses Buch geschrieben, die nötigen Zeichnungen erarbeitet und ständig Fotos gemacht. Ich habe mich bei vielen Arbeitsabläufen bemüht, zusätzlich zu meinen bisherigen Buchveröffentlichungen weitere Hintergrundinformationen zur Metallbearbeitung usw. zu geben. Aber ich setze auch zahlreiche Techniken und die Fräs- und Drehregeln als bekannt voraus und gebe an entsprechenden Stellen Querverweise zu meinen bisherigen Buchveröffentlichungen. Ich empfehle daher, vor Baubeginn das gesamte Buch erst einmal als „Lehrbuch“ zu lesen, bevor man dann Stück für Stück die kleine Maschine und ihr Zubehör baut.

Damit ich mir in einem Internet-Forum nicht noch einmal einen Vorwurf anhören muß: jawohl, für den Bau dieser Kleinfräsmaschine benötigt man selbstverständlich eine Dreh- und auch eine Fräsmaschine mit nahezu allem Zubehör und Werkzeugen. Am Küchentisch kann man eine Maschine nicht bauen. Und, eine Frage, die ich auch schon hörte: Wieso soll ein Fräsmaschinen-Besitzer eine weitere kleine Fräsmaschine bauen? Weil er Freude am Selbstgeschaffenen hat, weil er eine Herausforderung annimmt, weil er für besonders kleine Frästeile künftig nicht mehr eine große Fräsmaschine mit 1400 Watt Leistungsaufnahme „bemühen“ will, weil es einfach angenehm ist, mit einer so kleinen Maschine zu arbeiten.

Ich bedanke mich bei meinem Freund Valerie für die große Geduld beim Bau der Maschinenteile. Er hat beim konkreten Bau viel gelernt und ist nun nahezu perfekt auch in der Metallbearbeitung (er ist Schreiner vom Beruf). Und ich bedanke mich bei den Mitarbeitern vom Verlag für Technik und Handwerk in Baden-Baden für das professionelle Zustandekommen dieses Buches.

Karlsruhe, im Juli 2012

Jürgen Eichardt

Eben bei amazon.de gelesen, eine von drei Kundenrezension: "Kleinfräsmaschine im Eigenbau: Eine Schritt-für-Schritt-Bauanleitung, ich habe mittlerweile fast alle Bücher von Jürgen Eichardt gekauft. Ich kann nur eins sagen, der Mann ist Klasse."

zurück/back  |  home