Achtfach-Startgerät für ASROC

ASROC-launcher

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Achtfach-Startgerät Mk112 für ASROC

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es bei der Entwicklung von U-Boot-Abwehrwaffen den Trend, ihre Reichweite zu vergrößern. Schon Anfang der 50-er Jahre wurden deshalb bei der US-Navy Leichtgewichts-U-Jagd-Torpedos mit einem Kaliber von 324 mm entwickelt. Die Torpedos vom Typ Mk44 (später Mk46) waren mit etwa 2,5 m Länge recht kurz. Sie wurden aus Drillings-Rohrsätzen Mk32 verschossen aber auch von Hubschraubern (dann mit Bremsfallschirm) abgeworfen. Die Mk46 waren zuletzt (nach 1965) unter Wasser 45 kn schnell und hatten einen passiven Zielsuchkopf. Die Gefechtsentfernung war hier noch relativ gering, weil in der Laufstrecke von etwa 11 km die Suchkurven, die der Torpedo unter Wasser fährt, mit enthalten waren.

Offenbar parallel zur Entwicklung dieser kleinen Torpedos wurde an einen Einsatz dieser Unterwasserwaffen mit Raketen gedacht, um damit eine echte Abstandswaffe zu erhalten. Ab 1956 wurde deshalb bei Honeywell (Minneapolis) der Flugkörper RUR-5A (spätere Weiterentwicklungen: RUR-5B bis RUR-5E) entwickelt, der quasi als „Nutzlast“ einen Torpedo Mk44 auf einer nichtgelenkten, ballistischen Flugbahn über eine größere Entfernung ins Zielgebiet trägt und sich dort durch eine kleine Sprengladung von dem Torpedo trennt. Der akustische Torpedo sinkt an einem Fallschirm (siehe oben) ins Wasser und beginnt danach selbständig mit der U-Boot-Suche. Die Produktion für diesen als ASROC (Anti-Submarine-Rocket) bezeichneten Raketen-Torpedo lief ab 1959. Schon in diesem Jahr wurde ein passendes Achtfach-Startgerät Mk112 für diese neuen Waffen auf dem Zerstörer-Führer USS NORFOLK (DL-1), der bisher nur vier schwere Wasserbomben-Werfer Typ „Weapon-Alpha“ trug, installiert und getestet. In der Folge wurden zahlreiche Weltkriegs-Zerstörer im sogenannten FRAM-Programm (Fleet Rehabilitation and Modernization Programme) mit den charakteristischen kastenförmigen ASROC-Startern nachgerüstet und alle Neubau-Zerstörer und –Fregatten erhielten ASROC. Bis etwa 1970 wurden insgesamt 12.000 ASROC-Raketen gebaut. Das Waffensystem wurde auch in zahlreichen Exemplaren bei befreundeten Marinen (Brasilien, Ägypten, Griechenland, Japan, Süd-Korea, Taiwan, Türkei, Australien usw.) auf mittleren und großen Kampfschiffen installiert. Bei der Bundesmarine kam es nur durch die drei Lenkwaffenzerstörer der LÜTJENS-Klasse (Klasse 103) zum Einsatz. Wobei zu sagen ist, daß es zumindest im Bereich der Ostsee wegen der geringen Wassertiefen nur beschränkt zum Einsatz gekommen wäre. In der Regel waren nur die acht ASROC-Flugkörper in den Zellen an Bord. In einigen Fällen gab es aber auch eine Nachlade-Möglichkeit. So z.B. bei den US-Fregatten der KNOX-Klasse. Hier steht der Starter sehr nahe vor der Brückenfront und in deren unteren Teil befand sich ein automatisches Nachlade-Magazin. Wahrscheinlich war es bei der BROOKE-Klasse ebenso.

Ähnliche bekannte Raketen-Torpedos wurden mit dem System „Malafon“ in Frankreich und mit IKARA von Australien entwickelt, wobei die „Malafon“ der ASROC ähnelt (Raketenantrieb und Torpedo in einer Achse) jedoch bei IKARA der Torpedo „unten anhängt“. Die sowjetischen Gegenstücke waren die 7,2 m langen RPK-3 „Metel“ und RPK-4 (KRIVAK-Klasse) mit einer Reichweite von 50 km.

Erst ab 1990 wurden keine ASROC-Starter Mk112 mehr eingebaut, denn fortan wurden diese Waffen aus Senkrecht-Startanlagen (VLA = Vertical Launch ASROC), welche bereits ab 1984 getestet wurden, abgefeuert. Interessant ist zu wissen, daß aus dem Startgerät Mk112 auch HARPOON-Seezielraketen verschossen werden konnten. In dem Fall waren stets zwei der acht Zellen mit HARPOON beladen. Und die ASROC-Raketen-Torpedos konnten wiederum auch durch den zweiarmigen TERRIER-Starter Mk10 mod 6 (TEROC) sowie über den ebenfalls zweiarmigen Mk26 abgefeuert werden. Auch eine nukleare Wasserbombe Mk17 konnte von ASROC ins Ziel gebracht werden. 1989 wurde diese Variante jedoch auf Anordnung des US-Präsidenten von den Schiffen genommen (diese betraf z.B. auch die Nuklear-Version von TOMAHAWK!). Die Reichweite für ASROC ist mit 1,6 bis 10 km (teils bis 16 km) angegeben. Diese Reichweite ergab sich damals aus der Maximal-Ortungsreichweite des Sonarsystems SQS-23. Die Flugkörper RUR-5A mod 4 (Mk-44-Torpedo) haben bei einem Gewicht von 486,7 kg einen Durchmesser von 336,6 mm (Raketenmotor Mk12) und eine Länge von 4506 mm. (Hinsichtlich der Maße, besonders bei den Flügelspannweiten, findet man in der Literatur sehr widersprüchliche Angaben. Offensichtlich hat es hier diverse Verwechslungen und Irritationen gegeben. Für meine Zeichnung des ASROC-Flugkörpers habe ich daher besser einige Fotos ausgewertet) Sie sind 1 Mach schnell und der Gefechtskopf des Torpedos trägt 45 kg Sprengstoff. Die Spannweite der hinteren vier Tragflächen beträgt 844 mm. Sie sind in den Startzellen nicht beigeklappt, sondern die Rakete hängt so in den Startschienen, daß die Tragflächen diagonal stehen.

Das Startgerät ist rundum 360° zu richten. In der Regel ist neben dem Startgerät auf Deck ein hydraulischer bordeigener Ladekran montiert. Die acht Waffen stecken in vier Doppelzellen (je zwei übereinander), welche einzeln aufzurichten sind. Stets wird nur die Doppel-Zelle aufgerichtet, aus der ein Flugkörper gestartet werden soll. Die Start-„Elevation“ ist dabei immer 45°! Zum Start werden die beiden Klappen an der Vorderseite der betreffenden Zelle geöffnet (vgl. Ansicht G). Die hintere Seite ist von runden Stoffdeckeln verschlossen. Diese werden beim Start vom heißen Gasstrahl verbrannt. Beim Start fährt die Startschiene vorn etwa 80 cm aus der Zelle heraus. In der waagerechten Lage werden die Doppel-Zellen von je einem hakenförmigen Finger (a)  gehalten. Das Schwenkwerk wird im Seegang von einem Stopperbolzen (b) festgehalten. Unter der Blechabdeckung an der linken Seite des Startgeräts vermute ich ein großes Zahnsegment (c), angetrieben von einem Ritzel (d), welches die Höhenrichtung der Zellen bewerkstelligt. Auf Deck war bei den drei Zerstörern der Bundesmarine der Gefahrenbereich durch einen aufgemalten roten Ring (e) gekennzeichnet. Der schiffsseitige Decksockel (f) ist auch bei diesem Waffenstand so gestaltet, daß der aufsitzende Flansch waagerecht liegt. In meiner Zeichnung ist das Deck eine waagerechte Fläche, die es im Grunde so an Bord nie gibt.

Jürgen Eichardt

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