Panzerschiff DUILIO 1876

turret ship DUILIO 1876

Modellmaßstab 1:100

model-scale 1:100

Italienisches Panzerschiff (Turmschiff) der VOR-DREADNOUGHT-Ära, Torpedobeiboot in einer flutbaren Kammer im Heck und andere Kuriositäten. Im Plansatz sind wieder 4 meiner Schiffsdetail-Zeichnungen enthalten. Spantenrisse für andere Modellgrößen im M 1:75 und 1:50 in Plansatz enthalten. Die meisten Details wurden im M 1:50 gezeichnet und auf den M 1:100 zoom-verkleinert. Der Plansatz stellt eine Rekonstruktion nach Werft-Unterlagen und nach Fotoauswertung dar. Über den Bau seines DUILIO-Modells hat Brian King (UK) ein Buch verfaßt: "Modelling Late Victorian Battleships" (ISBN 0-9657205-7-8). Maße des Modellrumpfes: 1110 x 200 x 78 (Tiefgang) mm, Modellgewicht: 11,00 kg, 2 Propeller, 2 große Planbögen und diverse Planblätter.

Italian battleship (turret ship) of the pre-DREADNOUGHT-era, a little torpedo boat in a floodable compartment in the stern an other curiosities,. In the plan set are 4 of my ship-detail-drawings included. Body plans also 1:75 and 1:50. Most of the details were drawn 1:50 and reduced to 1:100! The planset are a reconstruction after wharf plans and interpreting photographs. Brian King (UK) build the DUILIO model and wrote a book: "Modelling Late Victorian Battleships" (ISBN 0-9657205-7-8). Model-hull-size: 1110 x 200 x 78 (draught) mm, model-weight: 11,00 kg, 2 big sheets and diverse small sheets.

Planausschnitte / plan sections

1:100-Modell von Jiri Sinar, CZ / 1:100-model of Jiri Spinar, CZ

Spantenriß / body plan

Ein mittelmäßig gut gebautes 1:100-Modell von einem unbekannten Modellbauer steht im sog. "Internationalen Maritimen Museum Hamburg", hier das Foto:

Italienisches Turmschiff DUILIO von 1876

-      Ein Kapitel Rüstungswettlauf

Die Story

Sir E. J. Reed, der namhafte Chefkonstrukteur der Royal Navy, hatte sich höchst selbst nach La Spezia begeben, um sich ein eigenes Bild über eines der beiden in Bau befindlichen Turmschiffe zu machen, von denen Erstaunliches zu hören war, zumal die Italiener bei ARMSTRONG acht 100 Tonnen schwere Riesengeschütze bestellt hatten. In der Werft in La Spezia bauten sie seit Januar 1873 an der DANDOLO; in Castellamare seit April desselben Jahres am Typschiff DUILIO. Reed sah sich alles aufmerksam an, machte sich ausführliche Notizen. Zu Hause in England konstruierte er dann in aller Eile die INFLEXIBLE, für welche noch am 24. Januar 1874 der Kiel gestreckt wurde. Die im Panzerschiffbau erfahrenen Briten brachten es fertig, daß ihre Superfestung noch vor den italienischen Panzerschiffen in Dienst ging.

Allerdings, die Vorbilder entstanden auf der Apenninen-Halbinsel – nach sieben Jahren wieder die ersten großen Kriegsschiffe in Italien. Der Krieg 1866 gegen Österreich-Ungarn und die diesem Krieg vorangegangenen Rüstungsanstrengungen hatten Italien finanziell völlig erschöpft. Doch gerade in diesen sieben Jahren hatten England und besonders auch Frankreich, die größten damaligen Seemächte, ihre modernen Panzerschiffs-Flotten geschaffen, die bis in das Mittelmeer hinein wirkten. Eine hochentwickelte Grundstoffindustrie und leistungsfähige Werften waren dafür die Grundlage. So standen dem Streben Italiens nach Vormachtstellung im Mittelmeerraum die Absichten der kapitalistischen Konkurrenten in England und Frankreich entgegen. Sie konnten sich dabei auf Flotten stützen, deren Kampfkraft entschieden größer war, als die der italienischen Flotte. Deshalb sollten nun in einem sog. Nach-Lissa-Bauabschnitt in Italien Schiffe auf eigenen Werften entstehen, die denen der traditionellen Seemächte wenigstens qualitativ überlegen waren.

Der neue Marineminister Saint Bon und sein neuer Chefkonstrukteur Benedetto Brin waren entschlossen, Schiffe der Superlative zu bauen. Noch gegen Ende der siebenjährigen „Ruhepause“ erarbeitete Brin die Pläne für die typgleichen Schiffe DUILIO (benannt nach dem römischen Konsul Gajus Duilius, der im Jahre 260 v.d.Z. die Enterbrücken an Bord eingeführt hatte) und DANDOLO. Die Grundkonzeption aller Panzerschiffe – möglichst großkalibrige Geschütze, eine mindestens kalibergleiche Panzerung, großer Aktionsradius und hohe Geschwindigkeit – steigerte Brin in neue Dimensionen.

Die Arbeiten gingen anfangs recht langsam voran – hatten doch die italienischen Schiffszimmerleute bisher Panzerschiffe, wenn überhaupt, nur in Gemischtbauweise hergestellt. Dazu kam, daß alle wichtigen Materialien und Ausrüstungen aus dem Ausland bezogen werden mußten. Frankreich lieferte Eisen und Stahl. Die englische Firma Penn baute die Antriebsanlagen. Auch die erstmals 550 mm starken Panzerplatten kamen aus England. Im Entwurfsstadium waren 305-mm-Geschütze; bei Baubeginn schon 343-mm-Hauptkaliber vorgesehen. Also jedoch bekannt wurde, daß die englische Firma ARMSTRONG sogar 450-mm-Vorderlader herstellen konnte, griffen die Italiener zu. Sie waren sicherlich sehr stolz darauf, die gewaltigsten Geschütze zu erwerben, die je für ein Kriegsschiff konstruiert wurden. Allerdings konnten mit diesen Geschützen selbst bei einer noch so gut eingespielten Bedienungsmannschaft nicht mehr als vier Schüsse pro Stunde (!) abgegeben werden. Offenbar hatten die Lieferanten ihren Kunden von der Apenninen-Halbinsel unterschlagen, daß ihre Firma zur selben Zeit schon in der Lage war, 406-mm-Kanonen herzustellen, mit denen man in einer Folge von nur zwei Minuten einen Schuß abfeuern konnte! So haben die Briten, den „Nachholebedarf“ der Italiener richtig einschätzend, ihrem potentiellen Seegegner im Mittelmeer nicht die neueste und schon gar nicht die beste Waffentechnik verkauft und dabei noch ein Bombengeschäft gemacht. Allein für die acht Riesengeschütze mußte die Unsumme von 4.553.160 Lire gezahlt werden. Zehn Jahre zuvor kostete jede der vier in Frankreich gebauten Panzerfregatten der REGINA MARIA PIA-Klasse knapp eben so viel.

Die DUILIO-Panzerschiffe brachten in vieler Hinsicht marinetechnisch Neues. Völlig ungewöhnlich war vor allem die Diagonalaufstellung der Panzertürme. Sie ermöglichte, daß drei Rohre voraus (Jagdschuß), alle vier Rohre in Breitseitrichtung und zwei Rohre in Kielrichtung achteraus feuern konnten. Diese Möglichkeiten der Feuerführung bedingten die Außermitte- und Schrägstellung des vorderen Schornsteins. Ein Schießen in Kielrichtung achteraus wurde nur für den Notfall angenommen. Die Projektile wären in dem Fall in einem Abstand von nur 82 cm am Achterdeckhaus vorbeigeflogen. Der Mündungsdruck, der den 908 kg schweren Spitzgeschossen eine Anfangsgeschwindigkeit von 518 m/s verlieh, hätte das leichte Deckhaus vermutlich völlig zertrümmert.

Nach jedem Schuß mußten die Rohre zum Nachladen in besondere Lademulden im Deck gesenkt werden. Für jedes Rohr waren 36 Granaten an Bord. Eine Mittelartillerie gab es nicht (Vor-DREADNOUGHT?) und die leichten Geschütze fielen gegenüber dem Hauptkaliber kaum ins Gewicht. Sie sollten lediglich leichte Flottenkräfte, wie die damals gerade aufkommenden Torpedoboote, abwehren. Im Laufe der Zeit erfolgte übrigens eine häufige Umarmierung der leichten Artillerie. Neben 57-, 76- und 20-mm-Kanonen wurden vor allem auch leichte Mitrailleusen (mehrläufige Maschinenkanonen) aufgestellt. Als „Nach-Lissa-Schiff“ hatte DUILIO natürlich einen mächtigen, gefährlichen Rammbug. Diese sog. letzte Waffe war noch lange nach der Jahrhundertwende bei den Kriegsschiffen zu sehen. Zu sehr wirkte der Zufallserfolg, den der österreichische Admiral Tegetthoff durch einen entschlossenen Rammstoß in der Seeschlacht bei Lissa 1866 über die italienische Flotte errungen hatte, auf die Schiffskonstrukteure ein. Außerdem hatten die bürgerlichen Seekriegstheoretiker damals ohnehin keine klare Vorstellung, wie eine künftige Seeschlacht zu führen sei. DUILIO sollte beispielsweise als Vorbereitung des Rammangriffs einen Torpedo aus dem Bugtorpedorohr unterhalb des Rammsporns, abfeuern, welches von einem löffelartigen Deckel verschlossen war. Erst später, als diese Waffe über größere Entfernungen eingesetzt werden konnte, bekam DUILIO auch Breitseit-Torpedorohre.

Die kurioseste Idee, die bei diesem Turmschiff verwirklicht wurde, bestand darin, daß es im Heck in Höhe der Wasserlinie eine etwa 27 m lange, 4 m breite und 4,5 m hohe Kammer erhielt. Diese Kammer, eine Art Schwimmbassin mit einem Wasserstand von etwa 1,7 m Höhe bei Maximalverdrängung, nahm ein Torpedoboot vom Typ „Nibbio“, ebenfalls aus England stammend, auf. Achtern wurde die Kammer durch zwei riesige, das Heck des Schiffes bildende Tore, verschlossen. Offenbar war diese Art der Anbordnahme eines Torpedobootes auch in Italien umstritten, denn bei DANDOLO verzichtete man von vornherein auf diese Einrichtung.

Der 11.000 ts verdrängende Glattdecker DUILIO, auf 93 Spanten gebaut, hatte bereits Doppelboden und Panzerdeck. Völlig neuartig war auch die Panzerung. Sie beschränkte sich bei diesem Schiff aus Gewichts- und Stabilitätsgründen erstmalig nur auf den mittleren Teil des Rumpfes und bestand im Prinzip aus zwei übereinanderstehenden „Panzerkästen“ von 30 bzw. 52 m Länge. Die Panzerplatten des unteren Kastens reichten dabei bis 1,8 m unter die Wasserlinie. Darin waren alle gefechtswichtigen Anlagen eingebaut. Das waren in erster Linie die Kessel- und Maschinenanlagen, die Munitionskammern und –aufzüge, die Turmdrehvorrichtungen (sie wurden bei DUILIO erstmals mit Dampf betrieben) und die hydraulischen Vorrichtungen zum Auswischen und Nachladen der Hauptkaliber. Der Wasserlinienpanzer hatte eine Stärke von 550 mm Weicheisen auf etwa ebenso starker Holzhinterlage. Die Panzerung der Türme betrug 440 mm. Die etwas nach außen gewölbten Panzerquerschotten vorn und achtern an den „Panzerkästen“ trugen einen 430-mm-Panzer.

Das Schiff war nach dem sog. Floßpanzersystem konstruiert. Danach war das gepanzerte Mittelschiff so bemessen, daß bei völliger Zerstörung des Vor- und Achterschiffs das gesamte Fahrzeug noch schwimmfähig blieb. Durch eine zweigeteilte Antriebsanlage (damals ebenfalls ein Novum im italienischen Schiffbau) war es möglich, von vornherein auf eine umfangreiche Segeltakelage zu verzichten. Das wirkte sich günstig auf die Gewichtsverteilung an Bord und damit auf die Stabilität des Schiffes aus. Die Möglichkeit, wenigstens im Notfall ein Hilfssegel setzen zu können, behielt man sich allerdings doch vor. Das war trotzdem kühn genug, wenn man bedenkt, daß die konservativen Briten ihrer, der DUILIO nachempfundenen INFLEXIBLE noch eine vollständige Rahtakelung aufsetzten.

Die beiden Kesselräume lagen weit auseinander, demzufolge auch die riesigen Schornsteine. Diese und die langgestreckte Brücke, die im Falle DUILIO den zutreffendsten Namen hatte, auf welcher der Kommandant und der Rudergänger anfangs im Freien standen, waren bestimmend für die äußere Silhouette des Schiffes. Insgesamt zehn Kessel lieferten Dampf für zwei liegende Zweifach-Expansionsmaschinen. Jede Maschine leistete 3.850 PSi, die der DUILIO 15 kn Dienstgeschwindigkeit verliehen. Bei 10 kn Marschfahrt konnten mit vollen Kohlepunkern 3.760 sm durchlaufen werden. Die beiden Propeller hatten einen Durchmesser von 5,26 m. Interessant ist, daß man die Steigung der je vier Flunken im Dock verstellen konnte.

DUILIO ging am 8. Mai 1876 zu Wasser. Bis das Schiff im Jahre 1909 aus der Flottenliste gestrichen wurde, hat man es häufig umgebaut. Ursprünglich stand genau in der Mitte der für die italienischen Panzerschiffe jener Zeit charakteristische Gefechtsmast. An diesem war ein rundum schwenkbarer Bootskran zum Bedienen der schweren Boote auf den Turmdecken angebracht. Dieser eine Mast wurde später durch zwei weit auseinanderstehende Masten ersetzt. Weiterhin erhielt das Schiff auf dem Achterdeck riesige Barkunen zum Aussetzen von zwei Torpedobeibooten. Im Zuge der waffentechnischen Entwicklung ersetzte man z.B. bei DANDOLO in den neunziger Jahren die schwerfälligen Hauptkaliber gegen vier 254-mm-Hinterlader L/40. Obwohl andere Flotten längst zur ebenso wirkungsvollen Mittschiffsaufstellung der schweren Waffen übergegangen waren, hielt man in Italien noch längere Zeit an der Diagonalaufstellung fest, z.B. bei den Schiffen des „Italia“-Typs, deren Bau ab 1875 begann. Auch die Schiffe des darauf folgenden Typs „Andrea Doria“ trugen noch diagonal aufgestellte Geschütze.

Die italienischen Konstrukteure haben mit DUILIO und DANDOLO, den guten Traditionen des italienischen Kriegsschiffbaues entsprechend, viele neue, teils originelle, teils abwegige Ideen verwirklicht und damit zur Entwicklung der Seekriegstechnik und -taktik beigetragen. Ob sich die Schiffe in Seegefechten bewährt hätten, sei dahingestellt. Jede Feuertaufe blieb ihnen erspart; sie nahmen nur an wenigen Manövern und Mobilmachungsübungen im Mittelmeer teil. Sicher ist jedoch, daß der Versuch, mit wenigen supermodernen Monsterwaffen rasch militärische Überlegenheit zu gewinnen, mißlungen ist. Italien konnte das maritime Kräfteverhältnis im Mittelmeer nicht zu seinen Gunsten verändern, weil dafür die ökonomischen Grundlagen fehlten. Die Konstruktion und das Entstehen der Zwillinge DUILIO und DANDOLO war deshalb nur ein spezieller italienischer Beitrag zum Rüstungswettlauf der kapitalistischen Mächte gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Der Modellplan

Aus Italien hatte ich im Jahre 1980 auf Umwegen einige Werftpläne vom Turmschiff DUILIO erhalten. Nach einiger Gewöhnung an dieses überaus „verrückte“ Schiff beschloß ich, einen ausführlichen Modellplan zu zeichnen, dessen Generalplan hier gedruckt ist. Weil ich damals herzlich wenig über derart große Schiffe wußte – ich hatte mich bisher nur mit den kleinen „Bötchen“ der DDR-Volksmarine befaßt – mußte ich mich in das Thema Panzerschiffe quasi erst „hineinlesen“. Ich besorgte mir über Hobbyfreunde entsprechende Literatur, in der DDR nicht so ganz einfach, und so ist am Ende nach einen Dreivierteljahr ein sehr guter Modellplan entstanden und nach diesem schon oft hervorragende Modelle. Gezeichnet hatte ich die meisten der Details im M 1:50, die für den Druck auf 1:100 verkleinert wurden.

Jürgen Eichardt

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